Plötzlich bewegte sich das Licht nicht mehr, und in diesem Moment war ein panischer Aufschrei zu hören. „Der Schrei …!“, stieß Corax entsetzt hervor, „er kam von einem Pferd, nicht wahr?“ Lordan nickte nur stumm. Gleich darauf öffnete sich erneut die wackelige Stalltür, und Plinus kam wieder heraus, dabei ließ er die Tür einen Spalt weit offenstehen. Bevor er danach eilig im Dunkel der Nacht verschwand, hatte er mit dem Saum seines Umhangs noch irgendeinen Gegenstand abgewischt. Ein Messer? „Lordan“, entfuhr es Corax aufgebracht, „dieser furchtbare Kerl … er wird doch nicht etwa eines der Pferde …? Aber warum?“ „Ach herrje!“, überlegte Marco laut, „Prinz Perenos ritt auf dem Weg hierher auf einer Schimmelstute, die sich unterwegs am Fuß der rechten Hinterhand verletzt hat und danach etwas hinkte.“ „Du meine Güte!“, entfuhr es Lordan, „ich habe ein sehr ungutes Gefühl, bestimmt hat Plinus angenommen, bei dem Schimmel im Stall handle es sich um Simenta in der Gestalt ihres Seelentiers! Lasst uns schnell nachschauen!“ Corax flatterte aufgeregt vornedraus, Lordan, Marco und Angelo folgten ihm schleunigst. Lordan zögerte noch kurz, bevor er die Stalltür ganz aufzog.
Der Druide konnte nur mit Mühe einen Schrei des Entsetzens unterdrücken, Marco presste sich die Hand auf den Mund, Angelo riss fassungslos die Augen auf. Corax saß wie erstarrt auf dem Balken, der den ersten vom zweiten Stellplatz der hier unterzubringenden Pferde trennte. Direkt vor ihnen lag eine Schimmelstute in einer riesigen Blutlache. An der Fessel der rechten Hinterhand war eine verkrustete größere Wunde zu sehen. Lordan hatte sich inzwischen zu dem röchelnden Tier hinuntergebeugt. Aus einer tiefen Wunde am Hals, die ohne Zweifel von einem Messerstich stammte, floss pulsierend immer noch viel Blut. Es war die Halsschlagader verletzt worden. Für den Schimmel kam jede Hilfe zu spät. Lordan war erschüttert. Sanft strich er der Stute über den Kopf, bis sie ihren letzten Atemzug getan hatte, dann erhob er sich traurig. „Es gibt für mich keinen Zweifel, Plinus geht davon aus, er hätte Simenta in der Gestalt ihres Seelentiers getötet.“
