Einmal hatte sie ihre Tante Antonella nach dieser jungen Frau gefragt, aber Antonella hatte ihr merkwürdigerweise nur sehr ausweichend geantwortet. Es habe sich bei dieser Frau um eine Fremde gehandelt, die für einige Zeit bei Großmutter Felicitas und ihr in ihrer abgelegenen Hütte in der Gipfelregion des Ätna gelebt habe. Doch eines Tages sei sie ganz plötzlich verschwunden gewesen. Den mysteriösen Lavastein hatte ihr Tante Antonella anvertraut, als sie damals von ihr hatte Abschied nehmen müssen. Das Besondere an diesem Stein war eine glockenförmige Vertiefung, deren Rand aus nahezu regelmäßig geformten, zackenartigen Erhebungen bestand. Antonella hatte Lissy zur Seite genommen und ihr das antike Holzkästchen überreicht, in dem sich der schwarze Samtbeutel mit diesem besonderen Lavastein darin befand. „Hüte diesen Stein wie deinen Augapfel!“, hatte sie ihr mit vielsagendem Blick ans Herz gelegt. Als Lissy verblüfft nachgefragt hatte, was diese Worte denn bedeuteten, hatte Antonella lediglich den Zeigefinger an Lissys Mund gelegt und ihr mit der anderen Hand liebevoll eine Locke aus der Stirn gestrichen. Nach einer Weile hatte sie dann noch hinzugefügt: „Dieser Stein ist im Augenblick nirgendwo besser aufgehoben, als bei dir! Bring ihn erst einmal weg von hier, weit weg von Sizilien!“ Lissy durfte sich gar nicht vorstellen, was geschähe, wenn Molly diese für sie so unermesslich wertvollen Gegenstände in die Finger kriegen würde. Deshalb schob sie das Album und die Briefe vorsichtig in ihre Schultasche und vergrub den Samtbeutel mit dem Lavastein darin tief in ihrer Hosentasche. Danach verstaute sie die Truhe wieder im untersten Teil des Schrankes. Nun konnte sie beruhigt zur Schule gehen.
