Fantasy-Reihe Dyluna, Band 1: Kapitel 1

Aus einem Meer von Orangenbäumen erhebt sich das stattliche Landhaus. Das Dach des Haupthauses wird von einem kastenförmigen Ausbau überragt, der wie ein separates Häuschen aussieht. Bevor es damals ihr Reich wurde, hatte dieser großzügige Raum zur Überwachung der Plantage gedient. Die Glastür der Westfront und die Fenster der drei übrigen Wände ermöglichen einen grandiosen Rundumblick. Richtung Westen wird dieser von Mongibello beherrscht, wie die Leute in der Gegend liebevoll ihren Vulkan, den Ätna, nennen. Die dicken Mauern aus großporigem Lavastein bescheren während der Mittagshitze im Inneren des Hauses eine angenehme Kühle. Morgens und abends jedoch spielt sich das bunte Leben der angesehenen Familie auf der geräumigen Terrasse ab. Steinsäulen tragen das massive Dach, das sich schützend über die gepflegte Weite großflächiger Terrakottaplatten zieht. Hier steht auch der ihr so vertraute Schaukelstuhl. In seine ausgepolsterte Wölbung schmiegt sich die vornehme Gestalt ihrer Nonna. Der gütige Blick ihrer braunen Augen schweift verträumt über die sich bis zum Horizont ausdehnende Orangenbaumplantage. Der nachhaltige Eindruck des intensiven, süß-fruchtigen Duftes der schneeweißen Orangenblüten war Lissy noch so lebendig in Erinnerung, dass sie für einen Moment lang glaubte, ihn zu riechen. „Lissy!“ Scharf durchschnitt der Ruf ihres Namens die Luft. Mr. Fuller! Ja, so musste Lissy ihren Stiefvater ansprechen. Sie warf die schwere Decke zurück. Hastig schnellte die hochgewachsene, fast magere Gestalt des Mädchens von ihrem Bett hoch. Sie schlüpfte in die schweinchenrosa Filzpantoffel, die ihre Stiefschwester Molly nicht mehr tragen wollte, und band sich die mahagonifarbene Lockenmähne zusammen. Dabei fiel das Muttermal an ihrem Hals auf, das wie ein Drache aussah und die gehässigen Rädelsführer ihrer Klasse immer wieder dazu veranlasste, sie als Drachentusse zu verhöhnen. Oft wurde sie aber auch als Spaghettimampfe verschrien, da sie aus Sizilien und nicht von hier stammte. Lissy war ziemlich sicher, dass dies der eigentliche Grund für ihre Außenseiterrolle war.