Fantasy-Reihe Dyluna, Band 1: Kapitel 1

Lissy erschrak über diese Reaktion von Molly. „Sie wird Nero doch hoffentlich nicht wirklich etwas antun?!“, ging es ihr durch den Kopf, „gemein genug wäre sie dazu!“ Im gleichen Moment durchzog Lissy aber auch ein Gefühl der Genugtuung, denn Molly ließ gewohnheitsgemäß überall ihr Zeug herumliegen, und Lissy wurde von Mr. Fuller dann oft gar noch angewiesen, deren Sachen aufzuräumen. „Wenn ich diesen schwarzen Satansbraten in die Finger kriege, ist es um ihn geschehen.“ Mr. Fuller schaute aufgebracht über den Rand seiner Zeitung und riss seine wulstigen Augen auf, die wegen der dicken Brillengläser sowieso schon glubschig wirkten. Dabei holte er so tief Luft, dass sich sein draller Bauch gegen die Tischplatte drückte. In Lissys Richtung gewandt stieß er hervor: „Sieh gefälligst zu, dass diese Schweinerei wegkommt! Du bist so unnütz wie dein verfluchter Kater.“ „Ihm ist wohl gar nicht klar, wie teuer ein solches Parfüm ist“, überlegte Lissy, „ansonsten müsste er sich doch fragen, woher Molly das viele Geld hatte, um sich so einen Luxus leisten zu können! Womöglich hat sie das Parfüm sogar geklaut? Jedenfalls ist es nun futsch!“ Wortlos stand Lissy auf, holte Besen und Kehrschaufel und fegte demonstrativ langsam und in sich hinein grinsend die Scherben zusammen. Lissys Gelassenheit und die eigene Misere, die sie durch ihre Schlampigkeit dazu auch noch selbst verschuldet hatte, schürten Mollys Hassgefühl gegenüber der Stiefschwester. Mit zusammengepressten Lippen und die Augen schlitzförmig verengt schaute sie zu Lissy hinüber. Danach verließ sie schnaubend die Küche und knallte die Tür hinter sich zu. Zum Glück musste Lissy heute erst später zur Schule gehen. So konnte sie sich noch ausreichend um ihre Mutter kümmern. Als sie mit einer Tasse Tee zum anderen Ende des Flurs eilte, verließen Mr. Fuller und Molly gerade das Haus. „Vergiss nicht, den Tisch abzuräumen und abzuspülen!“, kommandierte Molly bereits wieder in ihrer gewohnt herablassenden Art.