Fantasy-Reihe Dyluna, Band 1: Kapitel 1

Die ständigen Sticheleien und die Ausgrenzung aus der allgemeinen Klassengemeinschaft bedrückten Lissy sehr. Oft dachte sie an ihre Freunde zuhause auf Sizilien. Nachdem sie sich angezogen hatte, schlüpfte Lissy aus der armseligen Dachkammer. Die spartanische Einrichtung, bestehend aus dem Bett, einem rechteckigen Holztisch mit einem wackligen Stuhl davor und einem kleinen Kleiderschrank mit verrostetem Schloss ohne Schlüssel, vermittelte den Eindruck von Trostlosigkeit. Einzig das Katzenkörbchen, Neros Plätzchen vor ihrem Bett, verlieh diesen tristen vier Wänden eine heimelige Note. Im Laufschritt spurtete Lissy die steile Holztreppe hinunter, bog um die Ecke und verschwand in der Küche. Nero, der fünfjährige Kater, folgte ihr flink. Er wusste genau, dass er jetzt sein Schälchen mit Futter serviert bekam. Während er sich hungrig über seine Mahlzeit hermachte, setzte Lissy Mr. Fullers Spezialkaffee auf: drei Teelöffel Espressopulver, zwei Teelöffel Malzkaffee. Sie verstand nicht, wie man ein solches Gebräu hinunterbekommen konnte. Bis das Kaffeewasser kochte, deckte sie den Tisch. Als der Wasserkessel zu pfeifen begann, betrat Mr. Fuller, geschniegelt in Anzug und Krawatte, mit der Zeitung unter dem Arm, schnaufend die Küche. Als kleiner Finanzbuchhalter saß er von Montag bis Freitag auf dem Amt und tippte endlose Zahlenreihen in seinen Computer. Er nahm sich in der Erfüllung dieser Aufgabe sehr wichtig. „Steh gefälligst gleich auf, wenn ich dich wecke!“, schnauzte er und holte kurzatmig Luft. „Ich wünsche, dass mein Frühstück fertig ist, wenn ich aus dem Badezimmer komme. Sollte ich noch einmal auf mein Frühstück warten müssen, setzt’s was!“ Er regte sich derart auf, dass sein rundlicher Kopf mit der bis zum Hinterkopf ausgedehnten Glatze rot anlief. Schließlich sank er ächzend auf den Stuhl, setzte die schwere Nickelbrille auf die Nase und schlug die Zeitung auf. „Sir John Macleans Leiche gefunden“, las er, vor sich hin murmelnd. „Der angesehene Großgrundbesitzer und renommierte Geschäftsmann wird bereits seit acht Tagen vermisst. Nun ist es traurige Gewissheit, er wurde auf bestialische Weise ermordet.“ Mr. Fuller las nun mit angespannter Miene leise weiter. Nach einer Weile meinte er: „Unglaublich …! Seine Leiche blutleer und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt – kein Gesicht mehr – wie abartig!“ Mr. Fuller verzog angewidert das Gesicht. Inzwischen war der Kaffee durchgelaufen.