Fantasy-Reihe Dyluna, Band 2: Prolog

Dyluna zurück in Schottland

Anfangsbuchstabe D

s war Sonntag, der letzte Tag im September, ein trister Nachmittag. Dyluna saß in ihrem Zimmer unter dem Dach in Banchory und schrieb einen Brief an ihren Freund Marco Garofalo, der auf Sizilien lebte. Sie gratulierte ihm darin gleich noch zum sechzehnten Geburtstag, den er am elften Oktober feiern würde, denn vorher würde der Brief dort bestimmt nicht ankommen. Seit Marcos Anruf vor vier Wochen, als er Dyluna gefragt hatte, ob er Pietro mit zur Hütte hinaufnehmen dürfe, hatte sie nichts mehr von ihm gehört. Obwohl es sie natürlich interessierte, ob Marco und Pietro das Tagebuch ihrer Mutter in der Hütte oben am Ätna gefunden und die Tür repariert hatten, hatte sie bis jetzt keine Zeit gefunden, den Brief zu schreiben. Marco anzurufen, hatte Mr. Fuller ihr wegen der zu hohen Gebühren verboten.

„Wie gerne wäre ich jetzt ebenfalls in Paternò, zu Hause bei Nonna“, dachte Dyluna wehmütig und legte den Füller weg. Sie stand von dem wackligen Stuhl vor dem kleinen Holztisch auf und ging zu Nero, ihrem mystischen schwarzer Kater hinüber, der in seinem Körbchen neben ihrem Bett lag. „Ach Nero“, seufzte sie, während sie sich auf das Bett setzte, „wenn doch bloß Tante Antonella endlich aus dem Koma aufwachen würde, damit ich wieder zurück nach Sizilien könnte! Mama Rebecca hätte damals die Vormundschaft für mich, außer auf Tante Antonella, auch noch auf Nonna übertragen sollen.“ „Das ist wahr!“, kam es voll Überzeugung aus dem Katzenkörbchen, „dann müssten wir unsere Tage nicht weiterhin hier bei deinem gemeinen Stiefvater und dessen hinterhältiger Tochter Molly zubringen!“ Nero sprang auf das Bett und kuschelte sich neben Dyluna. Gedankenversunken kraulte Dyluna Neros Fell. „Mama Rebecca und Papa Alessandro fehlen mir nach wie vor sehr.“ Dyluna machte eine kurze Pause bevor sie weitersprach. „Aber, wenigstens sind die beiden dort, wo sie jetzt sind, wieder zusammen und liegen auch auf dem Friedhof nebeneinander, zu Hause in Paternò.“

„Ja“, war Neros etwas krächzende Stimme zu vernehmen, „und du bist hier auch nicht alleine. Schließlich hast du mich und Alison.“ Ja, es war gut, dass Dyluna und Alison McBain Freundinnen geworden waren. Inzwischen gehörten Dyluna und Nero schon ganz selbstverständlich mit zur Familie McBain. Sie gingen oft in dem kleinen Häuschen am Rande des großen Mischwaldes ein und aus. Neben Bellos und Lillys Körbchen vor dem Kachelofen in der Küche stand neuerdings ein drittes: Neros. Bello, der kleine Hund, und das Reh Lilly waren zwar keine mystischen Tiere, so wie Nero, sie hatten sich jedoch gleich von Anfang an mit dem sprechenden Kater angefreundet. Mystische Tiere waren in der Lage, sich mit Hexenmenschen zu verständigen, außerdem hatte jedes von ihnen eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Neros Bestimmung war es, Dylunas Begleiter zu sein. Über Dylunas, Alisons, Marcos und Neros Abenteuer in Arkoba wusste nur Alisons Familie Bescheid, genauso wie darüber, dass Dyluna die Prinzessin von Arkoba war und deshalb den Namen Dyluna trug. Hier in der Gegend wurde sie allgemein noch mit Lissy angesprochen. ……