Fantasy-Reihe Dyluna, Band 2: Prolog

Bei genauerer Betrachtung war diese Überlegung gar nicht so abwegig, denn zum einen waren einige der abgebrochenen Äste der Berberitze-Sträucher ziemlich dick und konnten eigentlich nur von solchen Riesen, wie die Bulben welche waren, abgeknickt worden sein. Zum anderen hatte die furchtbare Hexe Skirra vor ein paar Wochen drei solchen Monstern den Weg den Ätna hier herauf gezeigt. Sie hätte da auch schon die geheime Lavahöhle entdeckt haben können. Um Volcadonaris an sich zu reißen und in ein Werkzeug des Bösen zu verwandeln, hatte Skirra vor vier Jahren Felicitas getötet und deren Seele geraubt, damit sie in die Gedanken von Antonella hatte eindringen können. Skirra war aber doch tot! Dyluna hatte sie in einem Kampf, in der Gestalt ihres Seelentiers, eines Pacibusdrachen, beim letzten Besuch in Arkoba besiegt. Sollten die Buben eigennützig handeln? Was aber hatte es mit dem angesprochenen Pergament auf sich?
Marco und Pietro waren am Höllenschlund angekommen.
„Santi Numi!“, stieß Pietro hervor, nachdem Marco die zweite Fackel entzündet und den noch brennenden Rest der anderen in den Krater hinuntergeworfen hatte. Der Fackelrest schien nie aufzuhören zu fallen. Irgendwann hatte die Untiefe ihn einfach verschluckt.

Vorsichtig kletterten sie nun die steile Geröllhalde direkt neben dieser gefährlichen Stelle hinauf. Die losen Steine rutschten dabei mit schabendem Geräusch übereinander, einige davon lösten sich aus dem Gefüge und polterten den Hang hinab. Pietro und Marco waren froh, als sie endlich in der Schatzkammer standen und wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Doch wie sah es hier aus! Die Büchertruhen waren geöffnet, und alle Bücher lagen verstreut auf dem Boden herum. Auch die drei Kräuterkisten standen offen, ihre Schlösser waren aufgebrochen und die Holzeinsätze herausgenommen worden.
„Diese Halunken!“, schimpfte Marco, „wie können die es wagen, mit Antonellas Schätzen derart achtlos umzugehen!“ „Die Leinensäckchen hier scheinen die Männer nicht interessiert zu haben“, stellte Pietro nüchtern fest. Er schnüffelte. „Da sind bestimmt Kräuter drin, so würzig und intensiv wie es hier riecht!“ „Ja, irgendwelche Heil- und Zauberkräuter“, bestätigte Marco. Kurz darauf keuchte er: „Puh, mir wird von dem eigenartigen Geruch hier richtig schlecht!“ „Mir auch“, kam es von Pietro gequält, er war kreidebleich.